Von Silvano Grimaldi, CEO des unabhängigen Vermögensverwalters Grimaldi & Partners AG.
Zürich – Künstliche Intelligenz, kurz KI, verändert viele Branchen. Auch die Finanzmärkte sind davon betroffen. Ihr Einfluss zeigt sich in verschiedenen Bereichen, vom algorithmischen Handel über die Portfolioverwaltung bis zur Finanzanalyse.
KI eröffnet Anlegern bedeutende Chancen, wirft aber auch wichtige Fragen zur Marktstabilität und Regulierung auf. Silvano Grimaldi, CEO des unabhängigen Schweizer Vermögensverwalters Grimaldi & Partners AG, untersucht die Chancen und Herausforderungen des Anlagebooms rund um KI.
KI als neuer Treiber der Aktienmärkte
Auf künstliche Intelligenz spezialisierte Unternehmen profitieren an der Wall Street von einer starken Dynamik.
Anfang 2024 stellten sie die Hälfte der zehn grössten an der New Yorker Börse kotierten Unternehmen.
Technologiekonzerne wie Google, Microsoft, NVIDIA und Amazon investieren massiv in diese Technologie, weil sie von ihrem Umwälzungspotenzial überzeugt sind.
Dieser Trend zeigt sich auch an europäischen und asiatischen Aktienmärkten.
Spezialisierte KI-Anlagefonds ziehen immer mehr Anleger an, die an die langfristigen Wachstumsaussichten des Sektors glauben.
Aktuellen Schätzungen zufolge könnte der weltweite Markt für künstliche Intelligenz bis 2030 einen Wert von rund 1 Billion USD erreichen.
Algorithmischer Handel mit KI
Künstliche Intelligenz verändert auch die Handelspraxis grundlegend.
Auf maschinellem Lernen basierende Handelsalgorithmen können enorme Mengen an Marktdaten in Echtzeit analysieren, Trends erkennen und eigenständig Anlageentscheidungen treffen.
Diese intelligenten Handelssysteme führen Transaktionen mit einer Geschwindigkeit und Präzision aus, die menschliche Händler nicht erreichen können.
Sie passen sich laufend den Marktbedingungen an und verfeinern ihre Strategien mit Methoden wie dem bestärkenden Lernen.
Auf dem Weg zu einer verbesserten Portfolioverwaltung
Über den kurzfristigen Handel hinaus gewinnt künstliche Intelligenz auch in der Portfolioverwaltung an Bedeutung.
Robo-Advisors bieten eine auf Risikoprofil und Ziele abgestimmte Vermögensallokation. Sie richten sich allerdings vor allem an Privatanleger mit Portfolios bis etwa 100’000 USD.
Diese automatisierten Berater nutzen ausgefeilte Algorithmen, um Portfolios zu optimieren und automatisch neu auszubalancieren.
Auch einige Portfoliomanager setzen KI-Werkzeuge ein, um die Titelauswahl zu verbessern und in der grossen Menge an Finanzdaten aussagekräftige Signale zu erkennen.
Künstliche Intelligenz kann beispielsweise:
- Die Qualität der Unternehmensführung anhand des Tons ihrer Mitteilungen beurteilen.
- Muster in grossen Mengen von Finanz- und Unternehmensdaten erkennen.
- Mögliche Auswirkungen geopolitischer Ereignisse auf einzelne Branchen voraussehen.
- Eine präzisere Portfoliozusammenstellung und Risikosteuerung unterstützen.
Risiken und regulatorische Herausforderungen
Trotz ihres beträchtlichen Potenzials wirft künstliche Intelligenz auch Bedenken auf.
Flash-Crashs wie das Ereignis von 2010, als die Kurse einiger Unternehmen innerhalb weniger Minuten einbrachen und sich rasch wieder erholten, werden häufig mit Handelsalgorithmen und den von ihnen ausgelösten Kettenreaktionen in Verbindung gebracht.
Die Komplexität und mangelnde Transparenz dieser Systeme erschweren ihre Überwachung.
Es besteht das Risiko, dass «Blackbox»-Systeme entstehen, die sich einer wirksamen menschlichen Kontrolle entziehen und bei einer Fehlfunktion die Finanzmärkte destabilisieren könnten.
Die Finanzaufsichtsbehörden entwickeln daher Regeln für den Einsatz künstlicher Intelligenz, um Missbrauch wie Marktmanipulation zu verhindern.
Fazit: Anlagechancen nutzen
Trotz dieser Herausforderungen bietet künstliche Intelligenz Anlegern zahlreiche Chancen.
Neben reinen KI-Unternehmen integrieren immer mehr traditionelle Unternehmen die Technologie, um ihre Abläufe zu optimieren und neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.
Dies könnte Produktivitätsgewinne ermöglichen und letztlich eine bessere Börsenentwicklung stützen.
Anleger, die von diesem langfristigen Trend profitieren möchten, können Folgendes in Betracht ziehen:
- Spezialisierte KI- und Technologiefonds
- Börsengehandelte Fonds oder ETFs
- Ausgewählte einzelne Technologieaktien
Ein selektiver und diversifizierter Ansatz bleibt entscheidend, da nicht jedes Unternehmen der Branche gleich erfolgreich sein wird.
Eine Fundamentalanalyse der Geschäftsmodelle und ihrer finanziellen Tragfähigkeit ist daher wichtiger denn je.
Künstliche Intelligenz etabliert sich als eines der vielversprechendsten Anlagethemen dieses Jahrzehnts.
Ihr Veränderungspotenzial ist beträchtlich. Unternehmen, die diese Technologie erfolgreich einsetzen, könnten Aktienindizes langfristig übertreffen.
Dazu zählen unter anderem Apple, Google, Amazon, NVIDIA, Broadcom und Super Micro Computer.
Anleger sollten sich umsichtig positionieren, um an dieser Wertschöpfung teilzuhaben und zugleich die Risiken jeder grossen technologischen Veränderung im Blick zu behalten.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der genannten Wertpapiere dar.
Anlageentscheidungen liegen in der Verantwortung der Anleger. Vor einer Investition in einzelne Aktien oder andere Finanzprodukte empfehlen wir eine umfassende Beratung durch eine qualifizierte Fachperson.