Von Silvano Grimaldi, CEO des unabhängigen Vermögensverwalters Grimaldi & Partners AG.
Die «Santa-Claus-Rally» ist ein wiederkehrendes Phänomen an den Finanzmärkten: Im Dezember steigen Aktienkurse häufig stärker als im Durchschnitt.
Für eine solche Rally im Jahr 2024 sprechen einige Argumente, zugleich gibt es Faktoren, die sie verhindern könnten. Silvano Grimaldi, CEO des unabhängigen Vermögensverwalters Grimaldi & Partners AG, beleuchtet beide Seiten.
Argumente für eine Jahresendrally
Historische Entwicklung
Historisch gesehen war der Dezember für die Aktienmärkte der stärkste Monat des Jahres.
Laut einer Studie des Brokers eToro erzielt der DAX im Dezember durchschnittlich rund 17 % seiner jährlichen Rendite.
Saisonalität
In den vergangenen vier Jahrzehnten schloss der S&P 500 den Dezember nur in 25 % der Jahre mit Verlusten ab.
Dieses günstige saisonale Muster spricht somit für eine mögliche Jahresendrally.
Währungseffekte
Eine schwache heimische Währung, wie derzeit der Euro, kann den deutschen Aktienmarkt stützen, weil sie exportorientierten Unternehmen zugutekommt.
Gegenargumente
Politische Risiken
Die jüngste Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten und das Scheitern der deutschen Regierungskoalition haben die politische Unsicherheit erhöht.
Diese Risiken könnten die Aktienmärkte insbesondere in Europa bremsen.
Arbeitskonflikte
Der bevorstehende Arbeitskonflikt bei Volkswagen, der möglicherweise zu Streiks führen könnte, ist eine weitere Quelle der Unsicherheit.
Geplante Werksschliessungen infolge überschüssiger Produktionskapazitäten könnten die Marktdynamik vor allem in Europa ebenfalls schwächen.
Marktvolatilität
Trotz der positiven historischen Entwicklung bleibt das Risiko einer Marktkorrektur bestehen.
Dies gilt insbesondere, wenn der kurzfristige Aufwärtstrend wichtige technische Marken unterschreitet.
Ein Rückgang des S&P 500 unter 5’853,01 Punkte könnte beispielsweise eine mittelfristige Korrektur auslösen und die internationalen Aktienmärkte beeinflussen.
Fazit
Trotz der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten gibt es überzeugende Gründe, weshalb es im Dezember 2024 zu einer Jahresendrally kommen könnte.
Die historische Entwicklung und die saisonale Stärke der Aktienmärkte im Dezember sprechen dafür.
Auch Währungsvorteile und die Erwartung von Zinssenkungen der Zentralbanken im kommenden Jahr könnten zusätzliche Impulse liefern.
Anleger sollten die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Risiken jedoch nicht übersehen.
Ein vorsichtiger Optimismus erscheint angemessen, insbesondere nachdem der DAX am Dienstag erstmals über 20’000 Punkten schloss. Dies könnte als Beginn einer Jahresendrally gewertet werden.
Insgesamt sollten Anleger auf ein diversifiziertes Portfolio und langfristige Trends setzen, statt sich ausschliesslich auf kurzfristige Marktbewegungen zu verlassen.
Mit Qualitätsaktien oder einer ausgewogenen Strategie aus Aktien und Anleihen können Anleger die Chancen einer Jahresendrally nutzen und zugleich die damit verbundenen Risiken begrenzen.
Haftungsausschluss
Dieser Artikel stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der genannten Wertpapiere dar.
Für Anlageentscheidungen sind die Anleger selbst verantwortlich. Vor einer Investition in einzelne Aktien oder andere Finanzprodukte empfehlen wir eine umfassende Beratung durch eine qualifizierte Fachperson.